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Auf den Hund gekommen

Also eigentlich hatte ich meinen Wunsch, mir doch irgendwann einen Hund anzuschaffen, bereits an den Nagel gehängt.

Schließlich habe ich genug mit meiner Arbeit, meiner Familie und den bereits vorhandenen Haustieren zu tun. Schon allein wegen unserer Miezekatze, die, im Gegensatz zu mir, seit 10 Jahren über unser Heim herrscht, stellte sich für mich die Frage gar nicht.

Doch der Hauptgrund war, dass mein Mann Hunde immer gehasst hat.

Ich zitiere: „Die Scheißköter stinken wie die Sau, kläffen den ganzen Tag und pinkeln überall hin. So was kommt mir nie ins Haus!“

Aber man sollte eben niemals nie sagen, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...

 

Und so kam vor ein paar Wochen meine Nichte mit einem kleinen Welpen, der ein Zuhause suchte „zufällig“ in unseren Garten geschneit, natürlich völlig ohne Hintergedanken. Da tapste dieser winzige Chihuahuamischling auf uns zu und schon war es um mich und die Kinder geschehen. Das Hundchen fühlte sich auch sofort wohl bei uns.

Und mein Mann...??

Der wetzte schon die Messer, weil man wie er sagte, angeblich aus Hundeleder wunderbare Dinge machen kann und für eine Geldbörse könnte es gerade reichen.

Also haben meine Vernunft und mein Mann natürlich nein gesagt.

 

Die ganze Nacht war ich zwischen meinem Verstand und meinem Herzen hin und her gerissen. Und am nächsten Morgen rief ich meine Nichte an, ob sie mir die Kleine nicht für ein paar Stunden ausleihen würde, nur um zu sehen, wie es denn so mit einem Hund ist.

Natürlich in dem Wissen, dass mein Mann zwar nie tut was ich sage, ich aber trotzdem immer bekomme, was ich will. Ich war der festen Überzeugung, dass dieses entzückende Hundebaby seine Meinung über Hunde ändern könnte.

 

Der Hund kam und mein Mann siegte.

 

Er schaffte es, die Kleine den ganzen Nachmittag geflissentlich zu ignorieren.

Und als uns der Welpe dann laut winselnd wieder verlassen musste, da waren die Kinder und ich den Tränen nahe.

Aber mein Gatte war unerbittlich und ganz im Vertrauen, er hatte ja auch nicht ganz unrecht, wir haben eine Katze, wir haben unsere Freiheit, keiner unserer Freunde hat einen Hund und so weiter und so fort. Er hatte eine ellenlange Liste Argumente dagegen.

 

Die Kinder und ich hatten nur eines dafür: Wir haben ihn doch so gern.

 

Drei Tage lang hat mein geliebter Ehemann unsere Trauermienen erduldet. Er gab schließlich auf, als ihm auch noch eine gute Freundin ins Gewissen redete, nach dem Motto, wenn das Glück der Familie davon abhinge und wenn er nicht nur der beste Ehemann, sondern auch der beste Vater sein wolle, dann solle er doch über seinen eigenen Schatten springen. Es wäre überhaupt nicht schlimm, seine Meinung auch mal zu ändern, im Gegenteil, das bewiese wahre Größe. Unter uns gesagt, die Frau ist einfach genial.

 

Wenn auch nicht überzeugt, so ist er doch „freiwillig“ und ohne unser Wissen losgefahren und hat die kleine rabenschwarze Hündin eigenhändig abgeholt und uns stolz unter ein paar kleinen Bedingungen übergeben.

  1. Kein Hund auf dem Sofa
  2. Kein Hund im Bett
  3. Keine angeknabberten Sachen
  4. Kein Hundegestank
  5. Keine wilde Pinkelei
  6. Die Katze muss ihn akzeptieren

Und 7. Er heißt IDEFIX !

 

Also auf dem Sofa und im Bett will ich ihn auch nicht haben und es ist selbstverständlich, dass er in der Wohnung weder knabbern, noch sich erleichtern darf, auch ich bin der Meinung, dass unsere Katze Vorrang hat und sollte es mit den beiden nicht klappen, der Hund ein anderes Zuhause braucht.

Aber IDEFIX???

Gut, mein Mann „wächst“ vielleicht schon langsam in die Obelixrolle hinein, aber ist Idefix nicht männlich? Und noch dazu weiß?

Selbstverständlich haben wir seinem “Vorschlag“ nicht widersprochen.

 

Seither versuche ich nun die Aufgabe zu meistern, aus unserem Hundchen ein stubenreines, nicht bellendes, nicht knabberndes, nicht stinkendes Wesen zu machen, dass die Katze in Ruhe lässt, nicht im Bett schläft, unter und nicht auf dem Sofa liegt und überhaupt auf’s Wort gehorcht.

 

Das mit der Pinkelei ist mir schon fast geglückt, es passiert nur noch ab und zu.

Das letzte Mal ins Bett von meinem Mann....

 

Bellen hört man unsere Idefix äußerst selten, was aber vielleicht auch daran liegen mag, dass sie es noch nicht richtig kann.

 

Zum Knabbern biete ich ihr genügend hundgerechte Sachen an, sodass sie bisher unsere verschont hat. Bis auf die Filzpantoffeln meines Gatten, aber das ist eben wahre Liebe.

 

Und der Gestank? Ein Hund riecht nun mal nach Hund. Aber ich habe, um die Nase meines Mannes in die Irre zu führen, überall Zimmerdüfte versteckt. Leider schafft es unsere Kleine, Ihre Stinkbomben immer in der Nähe meines Mannes sausen zu lassen und die sind selbst für mich zu viel.....

 

Unsere Katze hat sich auch schnell an unser neues Familienmitglied gewöhnt, was bestimmt auch damit zu tun hat, dass sie jedes Mal ein besonderes Leckerli von mir bekommt, wenn Ihr der Störenfried über den Weg läuft.

Außerdem wissen wir ja alle: Ein Hund denkt, er ist ein Mensch - die Katze denkt, sie ist Gott.

Wollen wir sie in dem Glauben lassen.

 

Das Hundekörbchen zum Schlafen habe ich von Anfang an neben mein Bett gestellt und bisher schlief sie brav jede Nacht durch. Bis auf ein einziges Mal, als ich sie bei einem nächtlichen Toilettengang wohl geweckt haben muss. Gerade als ich mich wieder genüsslich in meinem Bett zusammen gerollt hatte, grunzte mein Mann unter seiner Decke  hervor:

 „Nimm den Köter von meinem Arsch!“

Ein paar Sekunden habe ich in meinem Dämmerzustand gebraucht, bis die Worte zu mir durchgedrungen waren.

„Was is?“

„Dein Hund klebt an meinem Hintern!“

Jetzt war ich hellwach, schaltete das Licht an und tatsächlich, vor dem nackten Hinterteil meines Angetrauten, das unter der Bettdecke hervorlugte, lag mein kleines Hundchen zusammengerollt und tat so, als ob es tief und fest schlafen würde.

Ob es die behaarten Backen wohl für einen Verwandten hielt?

Bedauerlich, dass man nie einen Fotoapparat zu Hand hat, wenn man ihn am Nötigsten braucht.

Nachdem ich meinen Lachkrampf wieder unter Kontrolle hatte, legte ich Idefix in ihr Körbchen zurück und es ist bis heute nicht mehr passiert, dass sie versucht hat, sich einen Platz in unserem Bett zu erobern.

 

Für die richtige Erziehung habe ich mich bei einer professionellen Hundetrainerin angemeldet und ich habe festgestellt, dass es eigentlich nicht Hundeschule, sondern Hundebesitzerschule heißen müsste. Also lerne ich jetzt fleißig, wie mein Hund denkt, um seine Handlungsweise in die richtigen Bahnen zu lenken.

 

Das mit dem Sofa ist da schon eine schwierigere Sache. Unsere Idefix ist nun mal ein Minihund und so ist man stets versucht, sie auf den Arm oder auf den Schoß zu nehmen und sie genießt das auch ganz offensichtlich. Selbst mein Mann kann sich ihrem Charme nicht entziehen, wenn sie mit einem Sprung auf seinem Bauch landet, sobald er es sich auf dem Sofa bequem gemacht hat. Und wenn er sie dann streichelt und krault, dann natürlich nur mit der Absicht, „das Leder zu dehnen“.

Den „Scheißköter“ nennt er mittlerweile liebevoll „Kleiner Stinker“ und als ich meinen geliebten Morgenmuffel heute nach dem Aufstehen lachen gehört habe, da war es Idefix, die „Schuld“ daran hatte. Ich wusste gar nicht, dass mein Schatz in den Kniekehlen so kitzelig ist, aber ich habe sie ehrlich gesagt auch noch nie abgeleckt.

 

Aber man lernt selbst nach fast 20 Jahren Ehe noch dazu, vorausgesetzt man hat den Mut aus dem Alltagstrott auszubrechen, gegen seine Prinzipien zu verstoßen, Spontaneität zu zeigen und sich zum Beispiel wie in unserem Fall gegen alle Vernunft einen Hund anzuschaffen.